Was macht eigentlich… Heinz Hossiep?

Es gibt Namen, mit denen will die aktuelle Führungsebene der Bochumer SPD nicht mehr so gerne in Verbindung gebracht werden. Als Thomas Eiskirch im Jahr 2015 zum Oberbürgermeister gewählt wurde, schrieb die WAZ, er stehe „für einen neuen Ton“, der sich von dem „Bochumer Filz“ etwa des „Machtmenschen Heinz Hossiep“ stark abgrenze. Die Bochumer Klüngelstrukturen um den damaligen SPD-Fraktionschef und VBW-Geschäftsführer Hossiep hatten in den 1980er und 1990er Jahren bundesweit Schlagzeilen gemacht und auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgelöst.

Um so überraschter waren wir, als wir nun im Geschäftsbericht der VBW lesen mussten, dass der fröhliche Rentner Heinz Hossiep weiter für die mehrheitlich städtische Wohnungsgesellschaft VBW aktiv ist – und zwar im Aufsichtsrat der Düsseldorfer Wohnungsgesellschaft WSG, an der die Bochumer VBW Anteile von 40 Prozent hält.

In einer Anfrage wollten wir daher wissen, in welcher Funktion Hossiep noch immer bei der VBW arbeitet, so dass er die Gesellschaft in einem Düsseldorfer Aufsichtsrat vertreten könne. Einige Ratsmitglieder der SPD-Grünen-Koalition vermuteten, dass es sich bei Hossieps Nennung im VBW-Geschäftsbericht um einen Fehler handeln müsse. Dagegen bestätigte die Stadtverwaltung in ihrer Antwort die Angaben: Die VBW hat Hossiep in den Aufsichtsrat entsandt, obwohl er sonst eigentlich nicht mehr für sie tätig sei. Die Antwort im Wortlaut.

Dass Hossiep heute noch für die VBW in einem Aufsichtsrat sitzt, also eine Kontrollfunktion ausüben soll, ist auch deswegen interessant: Ein wichtiger Bestandteil des Bochumer SPD-Filz-Konstrukts der 1980er und 1990er Jahre war, dass mit Hossiep der mächtigste Mann einer mit absoluter Mehrheit regierenden Ratsfraktion gleichzeitig der Geschäftsführer der teilstädtischen VBW war – also eines Unternehmens, das eigentlich vom Rat kontrolliert werden sollte. Kritiker*innen sagen: Ein eindeutiger Interessenskonflikt, der lukrative Geschäfte mit SPD-Genossen wie dem Oberbürgermeister Eikelbeck möglich machte, der zugleich Chef einer Heizungsbau- und Sanitärfirma war. Oder mit dem langjährigen SPD-Fraktionsvize Louis Buderus, seines Zeichens Architekt und Bochumer Baulöwe. Details zu diesen Machenschaften lassen sich zum Beispiel im SPIEGEL Nr. 50/1991 nachlesen.

Auch eine andere Einzelheit aus der Antwort auf unsere Anfrage verdient Aufmerksamkeit: So begründet die VBW ihre Beteiligung an der in Düsseldorf ansässigen Wohnungsgesellschaft WSG damit, dass sie eine „auskömmliche Rendite“ von 6,5 Prozent abwerfe. Mit anderen Worten: Die von der SPD-Grünen-Koalition gegen unseren Widerstand durchgesetzte VBW-Renditepolitik sorgt nicht nur dafür, dass tausenden Bochumer*innen regelmäßig die Miete an den Rand des gerade eben nicht Illegalen erhöht wird. Indem die VBW außerdem Jahr für Jahr hohe Gewinne aus der WSG abzieht, ist sie außerdem für unnötig hohe Mieten in Düsseldorf und zehn weiteren NRW-Städten mitverantwortlich, in denen die WSG Wohnungen unterhält. Die Linksfraktion fordert günstige Miete statt hoher Rendite und will die VBW zu einem gemeinwohl- statt renditeorientierten Unternehmen umstrukturieren.